• Sven Piper

Leben im Sonnensystem - Teil 1


Die Erdatmosphäre bei Sonnenuntergang aufgenommen von der ISS (Copyright NASA)

Bisher ist unser Planet der einzige Körper in unserem Sonnensystem der mit Gewissheit Leben hervorgebracht hat, doch könnte es auch auf anderen Planeten oder Monden Leben gegeben haben oder immer noch geben?


Leben, so wie wir es kennen, ist an ganz bestimmte Bedingungen geknüpft. Als wichtigstes Kriterium gilt das vorhanden sein von Wasser. Darüber hinaus ist es wichtig, dass ein Planet die richtige Entfernung zur Sonne hat und dadurch gemäßigte Temperaturen auf ihm herrschen. Ein weiterer entscheidender Punkt ist das vorhanden sein eines Magnetfeldes, da nur das Magnetfeld der Erde uns vor dem Sonnenwind und anderer kosmischer Strahlung wie z. B. Gammastrahlen schützt, die sonst für uns zellschädigend wären und alles Leben über kurz oder lang aussterben würde.


Weitere Punkte die Leben auf Kohlenstoffbasis erst möglich gemacht haben ist die Stickstoff-Sauerstoffatmosphäre der Erde, der Mond - der durch seine Gravitationskraft die Erde verlangsamt und erst so einen 24 h Rhythmus ermöglicht - und die vulkanische Aktivität der Erde.


Erst das Zusammenspiel all dieser Bedingungen, ermöglichte das entstehen von Leben auf unserem Planeten. Wobei man heute davon ausgeht, dass alles Leben sich im Wasser entwickelt hat und erst später die Landflächen eroberte. Wobei man allerdings lange dem Irrtum erlag, das sich in nur 500 Millionen Jahren aus Methan, Ammoniak, Kohlendioxid und Wasser komplexe organische Verbindungen bilden konnten, heute weiß man, das die Aminosäuren, die Grundbausteine allen Lebens auf der Erde, nicht auf dieser entstanden sind, sondern in interstellaren Gaswolken. Erst durch Kometen wurden diese organischen Moleküle der Erde hinzugefügt.


Millionen Jahre wurde das Leben auf der Erde von den Dinosaurier dominiert. Erst als sie vor 65 Millionen Jahren durch einen Asteroideneinschlag auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan ausgestorben sind, haben kleinere Säugetiere ihre Chance bekommen. Aus diesen Säugetieren entwickelten sich Millionen Jahre Später die ersten Menschen.


Doch könnte sich das Wunder des Lebens auch auf anderen Körpern in unserem Sonnensystem wiederholt haben? Die Antwort lautet ja. Denn nachdem sich unser Sonnensystem aus den Überresten der ersten Sterngeneration gebildet hatte und die Planeten einem ständigen kosmischen Bombardement von Kometen und Asteroiden ausgesetzt waren, wurden so nicht nur die Metalle, sondern auch das Wasser diesen Körpern hinzugefügt. Metalle entstehen nämlich im Inneren von Riesen Sternen, da nur hier der Druck groß genug ist die Atome zu verschmelzen. Wenn diese Sterne dann ihre Wasserstoffreserven aufgebraucht haben, werden sie durch eine Supernova Explosion ins All geschleudert.


Welche Planeten kommen in Frage?


Neben der Erde entwickelten sich der Mars und die Venus ähnlich. Zahlreiche Aufnahmen von alten Flussbetten deuten beim Mars auf seine feuchte Vergangenheit hin. Lange Zeit wusste man nicht, wo das Wasser geblieben ist. Man vermutete, das dieses aufgrund der geringen Schwerkraft des Planeten ins All entwichen ist oder das noch Spuren im Untergrund vorhanden sind. Im Jahr 2002 entdeckte die Mars Odyssey Sonde große Wassereisvorkommen unter der Oberfläche am Südpol. Diese reichen aus, um 2x den Lake Michigan mit Wasser zu füllen.


Wie kommen Mars und Venus zu ihrem heutigen Gesicht?


Der Mars ist heute ein kalter staubiger Ort, der nicht mehr viel Ähnlichkeit mit seiner ursprünglichen Gestalt hat. Ein weiterer Grund für das Abhandenkommen von Wasser liegt neben der niedrige Gravitation auch am Fehlen eines globalen Magnetfeldes. Da so Sonnenwinde die oberen Atmospährenschichten stets abtragen.


Ein weiter Punkt, der frühes Leben auf dem Mars wahrscheinlich macht, ist die Existenz des Marsmeteoriten ALH 84001. Man fand diesen Meteoriten 1984 in der Antarktis und fand in ihm Hinweise auf mögliche fossile Spuren von bakteriellen Marsleben. Auch wenn es noch Zweifel an den Untersuchungsergebnissen der NASA gibt, fand man die Biosignatur einer bestimmten Art von Bakterien, die Magnetit produzieren.


Aber noch viel extremere Lebensbedingungen finden wir heute auf der Venus. Temperaturen von 460° Grad Celsius, einen Druck der hundertmal so stark ist wie auf der Erde und säurehaltige Schwefelwolken prägen das heutige Bild der Venus. Diese extremen Bedingungen sind durch einen sich selber verstärkenden Treibhauseffekt entstanden, der auch noch heute andauert.


Dennoch ist Leben nicht ausgeschlossen. Wissenschaftler kamen auf den Gedanken, dass es Mikroben in der Venusatmosphäre geben könnte, da es eigentlich große Mengen Kohlenmonooxid in der Atmosphäre geben müsste, stattdessen aber ist Kohlenmonooxid selten. Des Weiteren fanden die Wissenschaftler große Mengen Schwefeldioxid und Schwefelwasserstoff, da die beiden Gase aber normalerweise miteinander reagieren, kommen sie nicht gemeinsam vor, es sei denn, etwas produziert sie. Da die Wissenschaftler außerdem noch Carbonylsulfid-Vorkommen gefunden haben und es anorganisch dermaßen schwer herzustellen ist, dass es oft als sicheres Zeichen für biologische Aktivität gilt, kamen sie zu der spekulativen Vermutung, dass es in der Atmosphäre der Venus Mikroben gibt, die Schwefelwasserstoff und Carbonylsulfid als Katalysatoren dienen.


Kommen auch die anderen Planeten in Frage?


Hier lautet die Antwort ganz klar nein. Der sonnennächste Planet Merkur hat keine Atmosphäre und ist genau wie der Erdmond übersäht mit Kratern, da es auf ihm keine Erosion gibt. Die anderen Planeten sind alles Gasriesen und haben keine feste Oberfläche.


Könnte es auf einigen Monden Leben geben?


Aus heutiger Sicht sind die Jupitermonde Europa und Kallisto und der Saturnmond Titan die wahrscheinlichsten Orte für Leben. Die oben genannten Jupitermonde besitzen alle unter ihrem Eispanzer einen Ozean. Aus Aufnahmen der Galileo Sonde wissen wir auch, dass dieser Eispanzer an einigen Stellen durch Asteroiden Einschläge aufgebrochen ist. Des Weiteren wissen wir aus Daten der Galileo Sonde, das der Jupitermond Europa noch immer vulkanisch aktiv ist. Genau wie auf der Erde im Mariannengraben, dem tiefsten Punkt der Erde, die so genannten Black Smoker Leben und anstatt der Photosynthese die heißen Quellen der Vulkane nutzen, könnte es auch hier Lebensformen geben.


Der Saturnmond Titan ist ein Sonderfall. Da dieser Mond eine Atmosphäre hat, die vergleichbar ist mit der der Urerde. Alles, was hier noch für die Entwicklung von Leben fehlt, ist Sonnenenergie. Vielleicht passiert es, wenn die Sonne sich zu einem Roten Riesen aufgebläht hat und die Inneren Planeten bis auf den Mars verschluckt hat, nur hat die Sonne dann schon den meisten Wasserstoff aufgebraucht und wird in wenigen Millionen Jahren in einer Nova zu einem Weißen Zwerg vergehen.

Anmerkung: Mehr zu diesem Thema erfahren sie in meinem Buch "Exoplaneten - Die Suche nach einer zweiten Erde", im Kapitel "Leben im Universum".


#Leben #Universum #Außerirdische


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von Sven Piper

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