Nibiru

In diesem Artikel geht es um die mögliche Existenz eines Himmelskörper (Planet, Brauner Zwerg) im äußeren Sonnensystem, sowie den antiken Kenntnissen der Sumerer, da von Zeit zu Zeit diesem Objekt viel Aufmerksamkeit gewidmet wird und dabei viel spekuliert (um nicht zu sagen fantasiert) und wenig sachlich argumentiert wird.


Anfang 2005 ist das Computerspiel Ni-Bi-Ru: Der Bote der Götter erschienen. Bei diesem gelungenen Point&Click Adventure war man auf der Suche einem außerirdisches Artefakt, doch war die Namenswahl nicht zufällig und so sorgte das Spiel für einigen Wirbel. Denn Nibiru war nicht nur eine sumerische (und später babylonische) Gottheit, sondern auch ein mythologischer Himmelskörper bei den Sumerern, der auf Keilschrifttafeln genannt wird. Allerdings ist völlig unklar ob damit ein Planet oder Komet unseres Sonnensystems oder aber eine bestimmte Konstellation von Objekten am Nachthimmel gemeint ist. Denn die Übersetzung der Keilschrifttafeln hilft nicht wirklich bei der Lösung. [1]


Zwar beschloss die Internationale Astronomische Union (IAU) im August 2006 den bis dahin neunten Planeten Pluto zu einem Zwergplaneten zu degradieren, so dass es offiziell nur noch 8 vollwertige Planeten in unserem Sonnensystem gibt, aber über diese Entscheidung lässt sich streiten.


In vielen wenig sachlichen Büchern wird viel über die Existenz dieses Objektes geschrieben, so wird behauptet Nibiru sei ein Planet unseres Sonnensystems mit einer Umlaufzeit von 3.600 Jahren. Dabei wird vor allem die Unwissenheit der meisten Menschen in Bezug auf die sumerische Kultur und die noch immer unzureichenden Kenntnisse über den äußeren Rand unseres Sonnensystems ausgenutzt.


Wer waren die Sumerer?


Das akkadische Wort Sumer bedeutet Kulturland und Kulturbringer. Die sumerische Kultur entstand etwa 4000 v. Chr. und war die erste Zivilisation in der Menschheitsgeschichte. Die Sumerer kannten schon komplizierte Bewässerungsmethoden und entwickelten als erste die Schrift, die so genannte Keilschrift, des Weiteren waren sie die ersten die das Rad und die Mathematik benutzten und prächtige Tempel, die so genannten Zikkurate, bauten. Auch das erste Epos in der Menschheitsgeschichte wurde hier geschrieben und ist auch noch heute weitestgehend in Steintafeln erhalten. Es handelt sich dabei um den Gilgamesch Epos, der neben den Heldentaten des Königs Gilgamesch auch von einer großen Sintflut, die durch die Götter verursacht wird, berichtet und frappierende Ähnlichkeit zur Sintflutgeschichte aus der Bibel hat. Außerdem kommen in der Sage um Sargon von Akkad viele Elemente vor, die auch in der Moses Geschichte Einzug erhalten haben und dies wohl gemerkt mehrere tausend Jahre, bevor die Bibel geschrieben (1000 n. Chr.) bzw. mündlich überliefert (2000 v. Chr.) wurde. Auch die Schöpfungsgeschichte der Sumerer und das erste Buch Genesis aus der Bibel besitzen einige Gemeinsamkeiten. [2]


Die sumerischen Siedlungen lagen zwischen dem Euphrat und Tigris auf dem Staatsgebiet des heutigen Iraks und genau hier liegt auch eine Ursache, warum heute noch zahlreiche Legenden und wenig gesicherte Fakten über diese faszinierende Kultur existieren, da archäologische Untersuchungen von Ausländern lange Zeit nicht möglich waren und die Plünderungen des Museums in Bagdad [3] und das Aufstellen von einem amerikanischen Militärlager in der kulturellen Stadt Babylon [4], nicht gerade förderlich waren.


Während es über die mathematischen Fähigkeiten gesicherte Fakten gibt, bleiben die astronomischen Fähigkeiten weitestgehend im Dunklen. Lediglich aus späterer, babylonischer Zeit, gibt es schriftliche Aufzeichnungen über Sonnenfinsternisse und ähnliche Ereignisse.

Das "legendäre" Rollsiegel, in abgerollter Darstellung

Dies lässt natürlich viel Platz für Spekulationen und so gibt es ein Rollsiegel (mit der Archiv-Nummer VA/243) im Vorderasiatischen Museum in Berlin, das nicht nur als Beweis für die fortgeschrittenen astronomischen Kenntnisse der Sumerer, sondern auch eine "Sternenkarte" sein soll. Insbesondere durch die pseudowissenschaftlichen Bücher des 2010 verstorbenen Journalisten und selbst ernannten Experten Zecharia Sitchin schossen die Spekulationen in ungeahnte Höhen. Auf besagtem Rollsiegel sind zwei Priester und ein "Himmelsgott" abgebildet. Im Hintergrund gibt es dann ein Bildnis, das man als Sonne mit 11 weiteren Objekten deuten könnte. Elf deshalb, da neben zehn Planeten ein Objekt den Mond repräsentieren soll. Und genau dieser zehnte Planet soll Nibiru sein.


Da durch die Behauptungen von Zecharia Sitchin es zu immer mehr Anfragen beim Museum bzgl. des Rollsiegels kam, nahm der Berliner Assyrologen Dr. Joachim Marzahn dieses genauer unter die Lupe. Das Ergebnis der Untersuchung: Der "Stern" selbst stellt nicht die Sonne, sondern eine nicht näher benannte Gottheit dar. Genaue Untersuchungen des Rollsiegels ergaben ferner nicht zwölf, sondern das auf dem Rollsiegel nicht weniger als fünfzehn Vertiefungen vorhanden sind. Außerdem waren diese Rollsiegel seit 3.000 v. Chr. in Gebrauch und dienten zur Beglaubigung von juristischer Sachverhalten, ähnlich wie das päpstliche Siegel. [5] [6]


Mythos kontra Fakten


Da man selbst in astronomischen Fachkreisen nicht einmal sicher ist, ob die Degradierung Plutos eine gute Idee war - schießlich geht es für viele amerikanische Wissenschaftler auch um den Nationalstolz, da nur Pluto von einem Amerikaner entdeckt wurde - und alle anderen Planeten seit Urzeiten bekannt oder von europäischen Astronomen (Neptun - Johann Gottfried Galle und Uranus - William Herschel) aufgespürt wurden, wäre die Entdeckung eines weiteren Planeten wahrlich eine Sensation.


Der Status von dem kleinen Planeten Pluto (benannt nach dem römischen Gott der Unterwelt) der im Februar 1930 von Clyde Tombaugh entdeckt wurde ist deshalb ins Wanken geraten, da man im Kuiper Gürtel, der Heimat von einer Vielzahl kleiner Eisklumpen, weitere Planetoiden wie Sedna und Quaoar entdeckt hat und es nicht ausgeschlossen ist, das man weitere Planetoiden hier findet. Da Pluto, der sogar kleiner ist als der Saturnmond Titan, anders als alle anderen Planeten unseres Sonnensystems eine Bahnneigung von 17,2° besitzt, nicht sehr massereich ist und darüber hinaus eine stark elliptische Umlaufperiode von 248 Jahren hat.


Da nicht einmal das Hubble Weltraumteleskop in der Lage war, nähere Details von Pluto zu erspähen, musste man auf die Ankunft der New Horizons (2015) warten, um erste hochauflösende Bilder von Pluto und seinem Begleiter zu bekommen.


Spekulationen über ein massereiches Objekt im äußeren Sonnensystem sind dabei nicht neu [7], sondern waren auch schon bei der Entdeckung des Planeten Neptun hilfreich. Der achte Planet unseres Sonnensystems und der letzte der großen Gasriesen wurde nämlich von J. G. Galle entdeckt, aufgrund von Abweichungen des Planeten Uranus, die zuvor U. J. J. Leverrier berechnet hatte. Doch schon damals vermutete man, das ein weiteres Objekt die Bahn der äußeren Planeten stören könnte, da es beim Planeten Neptun eine gewisse Bahnanomalie gibt. Wer mehr darüber erfahren möchte, sollte dieses Buch lesen:  Die Akte Neptun


Dabei könnte es sich sogar um einen Braunen Zwerg handeln, einen so genannten „failed star“, der nicht genug Masse besitzt, um die Inneren Kernfusionsprozesse zu zünden. Und da ein Objekt im Universum nur gesehen werden kann, wenn es Licht aussendet oder angestrahlt wird, könnte uns die Existenz dieses Objektes bislang verborgen geblieben sein. Braune Zwerge stellen eine Zwischenstufe zwischen Stern und Planet dar und besitzen folglich eine größere Masse als ein Planet, sind aber sehr leuchtschwache, dunkle Objekte. Erst mit dem Nachfolger des Hubble, dem James Webb Weltraumteleskop, wird man in der Lage sein, den äußeren Rand des Sonnensystems auf Planeten oder Braune Zwerge abzusuchen.


Fazit


Ob es also einen weiteren Planeten, Braunen Zwerg oder etwas ähnliches gibt oder nicht lässt sich heutzutage nicht eindeutig beantwortet und die Entdeckung der Trans-Neptun-Objekte Sedna (2003) und Quaoar (2002) zeigen, das gerade der äußere Bereich des Sonnensystems noch nicht einhergehend erforscht ist. Doch keinesfalls handelt es sich um einen Planeten, auf dem sich Leben hätte entwickeln können, da die bewohnbare Zone unseres Sonnensystems zwischen den Planeten Venus und Mars liegt und deshalb als bewohnbar gilt, da nur hier die Temperaturen flüssiges Wasser ermöglichen. Und auch wenn darüber spekuliert wird, ob es auf dem Jupitermond Europa primitive Lebensformen gibt, hängt dies damit zusammen, das dieser Mond aller Wahrscheinlichkeit nach einen salzhaltigen Ozean unter seiner dicken Eisschicht beherbergt und das es möglich ist, das Lebewesen hier nicht die Fotosynthese als Energiequelle nutzen, sondern die heißen vulkanischen Quellen des Mondes, ähnlich so, wie es auf der Erde auch die Black Smoker im Mariannengraben, dem tiefsten Punkt der Erde, tun. [8]


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Nibiru#Zuordnung_als_Himmelsobjekt

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Gilgamesch_Epos

[3] https://www.sueddeutsche.de/kultur/museen-pluenderung-barbaren-in-bagdad-1.438672

[4] http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,337008,00.html

[5] https://www.gwup.org/infos/themen/91-prae-astronautik/337-fehler-und-fehlinterpretationen-zecharia-sitchins

[6] in Zeitschrift: Sterne und Weltraum, Marzahn, Joachim, "Zur Sumerischen Sternkarte des Vorderasiatischen Museums", Ausgabe Juli 1995, S. 524 - 525

[7] https://www.focus.de/wissen/weltraum/planet-9-gibt-es-einen-neunten-planeten-im-sonnensystem-oder-nicht_id_9008391.html

[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Black_Smoker


von Sven Piper

© 2019 astris

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